Heimat

Pflegen und gestalten

Ein Ort, der mit Erinnerungen und Geschichte verbunden ist und an dem Wurzeln liegen. Aber auch ein Ort an dessen Zukunft man Interesse hat und teilhaben kann. All das kann der Heimatbegriff meinen. 

Ziel der Heimatpflege ist es daher einerseits die Zeugnisse der Vergangenheit zu schützen und zu bewahren. Andererseits wirken wir auch aktiv bei der gestaltenden Heimatpflege in unserem Ort mit. Beispiele dafür sind der Dorfbrunnen auf dem Platz vor der Kirche oder der Grenzsteingarten bei der Burgruine Hohendießen.

Dießen

Dießen liegt idyllisch in der Mitte des gleichnamigen Dießener Tals am Rande des Schwarzwalds. Mit alten Fachwerkhäusern und der gotischen Dorfkirche ist der Ort malerisch eingebettet. 

Überragt wird das Dorf von der Burg Hohendießen, die erhöht auf einem Bergsporn thront. Der Dießenbach durchfließt das Tal auf einer Länge von acht Kilometern und wird wiederum von einer Vielzahl kleinerer Karstbächlein gespeist. Weit ausgedehnte Wälder und blumenreiche Wiesen an den Hängen und auf den Höhen laden mit ihren zahlreichen bequem zu begehenden Wanderwegen zu Spaziergängen ein. Immer wieder eröffnen sich dabei auch neue Fernblicke über den Schwarzwald und zur Schwäbischen Alb. 

Wegen der ökologischen Vielfalt und oftmaligen Einmaligkeit, wurde das Dießener Tal im Jahr 1999 zum Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Burgruine Hohendießen

Die Burgruine Hohendießen, gelegentlich auch als „Dießener Schloss“ bezeichnet, erhebt sich über Dießen auf einer Höhe von 530 m ü. NN. Von hier hat man einen tollen Ausblick über das Tal und die Ortschaft. 

Um 1100 wird der Ortsadel von Dießen erstmals im Reichenbacher Schenkungsbuch genannt. Im Jahr 1334 werden Ulrich und Wolf der Dießer als Besitzer der Burg erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte Hohendießen mehrere Besitzerwechsel, ehe die Burg 1525 im Zuge des Bauernkrieges besetzt, beraubt und beschädigt wurde. Nachdem Dorf und Burg im Jahr 1552 in den Besitz der Herren von Wernau überging, ließen diese die Anlage zum Schloss ausbauen. 1666 bis 1696 ist Johann von Wernau, der letzte seines Stammes, Herr zu Dießen. Ihn, so wird erzählt, sperrte sein Ziegenbock in den Burgkeller. Dort gelobte der Ritter die Stiftung der Dießener Almosenpflege. 1696 werden die Schenken von Stauffenberg Erben der Wernauer, die daraufhin im Jahr 1708 Hohendießen sowie die Herrschaft an das Kloster Muri in der Schweiz verkauften. Dießen und seine Burg kommen im Jahr 1803 an das Haus Hohenzollern-Sigmaringen und später im Jahr 1889 kommt die Familie Ow-Wachendorf in den Besitz der Burg. Diese überlässt die Burg Hohendießen im Jahr 1965 schließlich der Gemeinde Dießen. 

Ab dem Jahr 1969 wurden daraufhin Maßnahmen zur Sicherung und zum Erhalt des vorhandenen Baubestandes durch die Gemeinde Dießen, den Landkreis Hechingen und die staatliche Denkmalpflege durchgeführt. Im Jahr 1990 beginnt die Stadt Horb mit dem zweiten Bauabschnitt der Sanierung. 2007 wurde ein Förderverein zur Sanierung und zum Erhalt der Ruine gegründet, woraufhin weitere erhaltende Baumaßnahmen durchgeführt wurden.

Bis heute ist die Ruine beliebter Ort für Veranstaltungen, wie die „Dießener Burgweihnacht“, Theateraufführungen oder die Bewirtung zum 1. Mai. 

Grenzsteingarten

Angrenzend an die Burgmauern, im ehemaligen Kräuter- und Gewürzgarten der Burg Hohendießen, können Grenzsteine verschiedener Burgherren aus der Zeit von 1576 bis um das Jahr 1810 besichtigt werden. Sie geben Zeugnis über die geschichtliche Entwicklung und wechselnden Besitzer Dießens. Nicht von allen Besitzern und Herrschern über Burg und Gemeinde sind Grenzsteine vorhanden. Teilweise wurden sie entfernt oder durch Feld- und Waldarbeiten zerstört. Horb-Dießen hat eine Gemarkungsfläche von 871 ha, davon ungefähr 525 ha Wald und ist mit insgesamt 220 Grenzsteinen vermessen.  

Der Grenzsteingarten wurde vom Schwarzwaldverein Dießen e.V. in Kooperation mit der Flurneuordnungsstelle Freudenstadt/Calw sowie dem Förderverein zur Sanierung und zur Erhaltung der Burgruine Hohendießen errichtet. Erklärungen und Beschreibungen zu den Grenzsteinen ergänzen die Präsentation. 

Dießener Tuffrinne

Das „Talwegbächle“, das erstmals breitflächig über die Wiese floss und diese sumpfig werden ließ, muss vor ca. 300 Jahren von Menschenhand in eine Rinne gefasst worden sein. Mit dieser Maßnahme sollten die daneben liegenden Wiesen trocken und somit besser nutzbar gemacht werden. Gleichzeitig bildet der Verlauf der Rinne die dortige Grundstücksgrenze. 

Die eigentliche Tuffbildung beginnt mit der zunehmenden Fließgeschwindigkeit des Wassers. Es kommt zu einer starken Verwirbelung, bei der leichtflüchtiges CO² aus dem Wasser austritt. Die Folge ist, dass in diesem Abschnitt verstärkt Kalk aus dem herbeigeführten Karstwasser ausfällt und abgelagert wird. Unterstützt wird die Tuffbildung durch Spritzwasser, welches sich auf den Pflanzen und Moosen des Dammes ablagert. Nach der abschließenden Verdunstung der Wassertropfen bleibt der gelöste Kalk auf den Pflanzenoberflächen zurück. Beide Arten der Kalkablagerung führen am Rande der Rinne zur Tuffbildung und somit zu einem ständigen Anwachsen des Dammes. 

Das Naturdenkmal Tuffrinne umgibt außerdem eine außergewöhnliche biologische Vielfalt. In diesem Bereich gibt es über 40 verschiedene Blütenpflanzen, ungefähr 20 Grasarten, Moose und Schachtelhalme. Libellen und Schnecken fühlen sich hier ebenfalls Wohl. 

Die Tuffrinne hat eine Länge von ca. 40 Metern, eine Breite von einem Meter sowie eine Höhe von 40-120 Zentimetern. Eine Besonderheit ist außerdem der 90 Grad Winkel, in dem die Tuffrinne in ihrem Verlauf abknickt. 

Dießener Dorfkirche und Schwarzwaldbrunnen

Die gotische Kirche ist dem heiligen St. Martin geweiht und wurde im Jahre 1498 erbaut. Nach mehreren An- und Umbauarbeiten hat sie die heutige Größe erreicht. Der jetzige Turmaufsatz wurde im Jahr 1877 auf die Höhe von 36 Metern aufgesetzt. Zuvor war er als Giebelturm ausgeführt. 

Als Beitrag zur gestaltenden Heimatpflege wurde, im Zuge der Renovierung der Dießener Kirche sowie der Neugestaltung des Dorfplatzes im Jahr 1999, ein Brunnen errichtet. Dieser wurde aus den typischen Dießener Gesteinsarten, dem Tuffstein und dem Roten Sandstein, entworfen. Die im Dießenbach so reichlich vorhandenen Forellen durften bei der Gestaltung ebenfalls nicht fehlen.